Complementor Relationship Management

The Missing Link in Business Relationship Management

Koopkurrenz – Allianzen im Bereich Elektromobilität

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Von nyuhuhuu, flickr

Betrachtet man die “Reichweite” der neuesten KfZ-Modelle mit Elektroantrieb (z.B. der auf dem Genfer Autosalon vorgestellte BYD e6-eco mit 300 km, was schon recht beachtlich ist vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Elektroautos), wird schnell klar, dass der Mobilität mit diesen KfZ noch erhebliche Grenzen gesetzt sind und eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur unabdingbare Voraussetzung für die Marktdurchdringung ist. Das ist auch den OEMs bewusst. Auf der Suche nach dem “richtigen” Geschäftsmodell (Preis-, Abrechnungsszenarien[1], Marketingstrategien), der “richtigen” Technologie (Brennstoffzelle- vs. Elektroauto, unterschiedliche Batterietechnologien[2], wobei insb. rechtliche Fragestellungen nicht vernachlässigt werden sollten[3]) und “den richtigen” Kooperationspartnern werden zahlreiche Allianzen geschmiedet. Daimler und RWE haben bereits 2008 das Projekt “Blue Sky” und “e-mobility Berlin” ins Leben gerufen. VW hat sich mit EON verbündet. Es scheint als versuchen die OEM mit ihren jeweiligen Partnern ganz im Sinne des Kooperationsmanagements (zur steigenden Relevanz sowie  Vor- und Nachteilen von Kooperationen vgl. etwa Gerybatze[4]) Wettbewerbsvorteile z.B. einen First Mover-Advantage zu erringen. Auch Volvo scheint eine ähnliche Zielsetzung zu verfolgen, indem eine Kooperation mit Siemens eingegangen wird. Gemeinsam soll z.B. eine neue Antriebstechnik für Elektrofahrzeuge entwickelt werden. Diese Kooperation “beherbergt” aber nicht nur diese vertikale Zusammenarbeit “innerhalb der elektrischen Fahrzeuge”, wenn man das Produktportfolio von Siemens betrachtet. Siemens fungiert auch als Komplementor zu den OEM “außerhalb” der Fahrzeuge, da Siemens von der Stromerzeugung über den Bau von Stromnetzen [5] zahlreiche komplementäre Leistungen anbietet. Soweit sind diese Kooperationen durchaus als “reine” Win-Win-Konstellationen” zu betrachten, Siemens kann insb.  die Elektroautos im Strasseneinsatz sowie das Zusammenspiel zwischen KfZ und Stromnetz bzw. Ladeinfrastruktur testen.

Trotzdem beherbergen diese Wertschöpfungspartnerschaften und -konstellationen Spannungs- bzw- Konflikpotenzial, wenn die Automobilkonzerne auf der Suche nach “dem richtigen Geschäftsmodell” auch in die Produktion von erneuerbaren Energien (z.B. Offshore-Windanlagen) investieren. Das erscheint nicht zuletzt aus der ökologischen Perspektive sinnvoll, denn nur wenn Elektroautos auch “Ökostrom tanken”, kann von einer nachhaltigen Entwicklung gesprochen werden.[6]  Allerdings verfolgen die OEM (z.B. VW, Opel oder BMW) damit auch die Erschließung eines neuen Geschäftsfeld, der Verkauf von “grünem” Strom. Damit entsteht aber auch eine konfliktäre Situation da die OEM Konkurrenten der bisherigen Kooperationspartner (Siemens bzw. insb. die Energiekonzerne) werden. Diese “Coopetition”-Situation, also sowohl Kooperation als auch Konkurrenz, stellt eine Herausforderung für das Business Relationship Management allgemein aber insb. auch für das CoRM dar, wenn die partnerschaftlichen Kooperation mit Komplementoren durch überschneidende Geschäftsinteressen belastet wird.

In der vernetzten Wertschöpfung treten solche spannungsgeladenen Konfigurationen vermehrt auf, was auch auf diesem Blog analysiert und thematisiert werden soll.

 

Anmerkungen    (↵ zurück zum Text)

  1. zur Problematik “wie” z.B. mit Ladesäulen “Geld verdient werden kann” vgl. Freitag, M. und Katzensteiner, T. (2010), Geparkte Zukunft: In Berlin Dem Elektroauto geht der Saft aus, in: Manager Magazin, o. Jg., 2010, 6, S. 16
  2. Fasse, M. und Reuter, W. (2010), Die Suche nach der Superbatterie. Die deutsche Industrie muss über den Aufbau einer eigenen Bateriefertigung für Elektroautos entscheiden. Es drohnt eine asiatische Dominanz, in: Handelsblatt, o Jg., 2010, 244, S. 20-21
  3. vgl. Bomsdorf, T. (2011), Risikoreiche Elektroautos. Meist geht es um die Technik alternativer Antriebe. Rechtliche Fallstricke werden ausgeblendet, in: Handelsblatt, o. Jg., 2011, 67, S. 20
  4. Gerybadze, A. (2005), Management von Technologieallianzen und Kooperationen, in: Albers, S. und Gassmann, 0. (Hrsg., 2005), S. 155-174
  5. vgl. o. V. (2011), Siemens entwickelt mit Volvo Elektroautos. Auf den Seiten von Financial Times Deutschland, URL: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/autoindustrie/:kooperation-siemens-entwickelt-mit-volvo-elektroautos/60098131.html, Abruf am 01.09.2011 
  6. vgl. Herz, C. (2011), Autoindustrie investiert in Ökostrom, in: Handelsblatt, o. Jg., 2011, 166, S. 25

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