Complementor Relationship Management

The Missing Link in Business Relationship Management

Prof. Reiss über IT-Trends: Systeminnovationen scheitern ohne Complementor Relationship Management!

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IT-Trends repräsentieren unbestrittene Erfolgsfaktoren für das Wirtschaftswachstum. Es hat sich eingebürgert, dass sie in Form eines Rankings der TOP 10 propagiert werden (Gartner, ERP Manager: Technologietrends in 2010, Forrester, BITKOM-Umfrage):

 

Soweit es sich hierbei um Innovationen handelt, wird erkennbar, dass es nicht um fokussierte Produktinnovationen (z.B. die Entwicklung von tablets), sondern um Systeminnovationen geht. Alle Trends erfordern ein komplementäres F&E-Investment in mehrere Hardware-, Software- und Netz-Komponenten plus Standardisierungen und Zertifizierungen, beispielsweise mobile Geräte (tablet-PCs, smartphones, …), Apps, Betriebssysteme, Content, Security-Software, Netzwerk-Kapazitäten und Standards.

Bislang vernachlässigt wird die Tatsache, dass die jeweiligen IT-Komponenten nicht aus einer einzigen Entwicklungsabteilung oder Entwickler-Community stammen. Vielmehr ist ihre Entwicklung verteilt auf ein Ecosystem (Gartner-Research Roundup: „Success in Media Tablets Depends on Building an Ecosystem“), also ein heterogenes Spektrum von IT-Unternehmen sowie Standardisierungs- und Zertifizierungseinrichtungen (z.B. hat Distributed Management Task Force – DMTF – den “Open Cloud Standards Incubator” initiiert). Sie fungieren als Komplementoren für System-Innovationen, etwa Mobile Operators, Semiconductor Companies, Handset Manufacturers und Software Companies als Mitglieder der Open Handset Alliance oder Industrie- und Automobilunternehmen, Stromversorger, Stadtverwaltungen und Universitäten sowie Prüf- und Forschungseinrichtungen im Rahmen der Green eMotion .

Naiv wäre in diesem Zusammenhang die Annahme, dass die Zusammenarbeit von Komplementoren in einem Ecosystem ohne ein Management der Kooperationsbeziehungen funktioniert, also quasi in der Regie einer unsichtbaren Hand. Dies widerspricht den Erfahrungen aus einer ganzen Reihe von Flops und Problemen bei Systeminnovationen (z.B. hinkt die Markdurchdringung von HDTV der technologischen Entwicklung um Jahrzehnte hinterher vgl. Adner [1]; ferner kennt jeder Internetnutzer die immer wieder auftretenden Kapazitäts- und Kompatibilitätsprobleme, etwa wenn ein innovativer Internet-Content in High Definition oder wenn Services wie der 3D Küchendesigner von Ikea ihren Nutzen aufgrund zu “schwacher” Netze bzw. inkompatibler Software einbüßen, z.B. wenn der Service nur mit dem Internetexplorer 7.xx funktioniert).

Fazit: Die Durchsetzung der IT-Trends am Markt hängt entscheidend vom professionellen Management der Kooperationsbeziehungen zwischen den beteiligten Komplementoren ab – oder auf eine simple Formel gebracht:

Complementor Relationship Management ist ein kritischer Erfolgsfaktor für die Umsetzung der innovationsbasierten IT-Trends.

Anmerkungen    (↵ zurück zum Text)

  1. Adner, R. (2006), Match Your Innovation Strategy to Your Innovation Ecosystem, in: Harvard Business Review, 84, 2006, 4, S. 98-107

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