Complementor Relationship Management

The Missing Link in Business Relationship Management

Smart Metering als komplementäre, unternehmerische Leistung begreifen…

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 … nicht als Input, der von Lieferanten zugekauft wird!

Smart Metering Dilemma

Die These im Titel dieses Beitrags sollte Energie­ver­sorgungs­unternehmen, Tele­kom­munikations­anbieter, Smart Energy-Dienstleister, Energie- & Gebäudetechnikanbieter, Berater und Forscher dazu bewegen, das sogenannte Smart Metering Dilemma (siehe Infobox rechts) aktiv in Angriff zu nehmen, und nicht auf die von Hause aus träge staatliche Unterstützung zu warten.

Ein eher “passives” Warten auf ein vom Gesetzgeber vorgegebenen flächendeckenden Rollout (wie von Grandel S. 228 f. als mögliche “Lösung” vorgeschlagen[2]) erscheint mir schon intuitiv wenig ratsam. Die Akteure einer “smarten” Energieversorgung [3] müssen sich proaktiv mit möglichen Geschäftsmodellen und Kooperationsmöglichkeiten zur Risikoteilung beschäftigen. Diskutiert werden muss hier zum Einen wie ein “Sharing” des hohen Investitionsrisikos insb. in der Einführungsphase der intelligenten Zähler möglich ist. Zum Anderen muss geklärt werden, wer die Unsicherheit der zukünftigen Geschäftsentwicklung trägt. Diese Unsicherheit entsteht, da noch nicht systematisch analysiert wurde, welche Kundenbedarfe vorliegen bzw. mit welchen Leistungsbündeln diese überhaupt gedeckt werden können, also wie Kundennutzen generiert wird. Stiftet z.B. ein Bundel aus intelligentem Zähler & Transparenz über Lastverläufe + intelligent gesteuerte Haushaltsgeräte “ausreichend” Kundennutzen oder bergen Leistungskonfigurationen aus Smart Meter & Heizungs- oder Stromerzeugungsanlagen, lokale Speicher, Mehrwertdienstleistungen wie Finanzierung oder Beratung ein größeres Potenzial seitens der Kunden zur Energieeinsparung und seitens der Anbieter für Cross-Selling zwischen den Komplementen. Im Rahmen der Diskussion potenzieller Vorteile von “Smart Metering” sollten also neben prozessualen und technologischen Aspekten (z.B. welche Vorteile beim Netzbetrieb bei dezentraler Stromerzeugung erschlossen werden können) verstärkt auch kundenseitige Nutzenvorteile analysiert, kritisch hinterfragt, diskutiert und mit konzertierten Leistungskonfigurationsangeboten beantwortet werden. Dabei muss zunächst geprüft werden, ob tatsächlich in jedem Haushalt ein intelligenter Zähler installiert werden muss bzw. ob dem Stromkunden durch den intelligenten Zähler ein dem Aufwand (z.B. vom Kunden selbst zu tragende Zusatzkosten für hochwertigere Geräte mit mehr Funktionen wie Visualisierung, Benchmarking mit vergleichbaren Immobilien, Alarm-SMS oder die  baulichen Veränderungen zur Installation) “angemessener” Nutzen z.B. durch steuerbare Anlagen und Geräte entsteht (diese wichtigen und kritischen Fragen wirf z.B. Vest auf[4]). Ein stufenweises Vorgehen (z.B. zunächst die Kunden ansprechen, bei denen der höchste Nutzen entsteht) ist aus meiner Sicht kein “Cherry Picking” sondern bietet sich als ein realistisches,  probates und bewehrtes Vorgehen aus dem Implementierungsmanagement an. Auf den ersten Stufen einer solchen Einführung können auch bislang fehlende Informationen etwa erste Kundenerfahrungen  etc. gewonnen werden.

Gerade durch die gesetzliche Verpflichtung der Energieversorgungsunternehmen elektronische Zähler z.B. bei Neubauten oder komplett sanierten Gebäuden einzubauen und variable Tarife sowie monatliche Abrechnung anzubieten, könnte abgeleitet werden, dass die Versorgungsunternehmen zunächst für den flächendeckenden Einsatz der Smart Meter alleinig verantwortlich sind und den Löwenanteil der Investitionskosten tragen müssen.

Durch die Positionierung der großen Versorger als Komplettanbieter mit einer Smart Metering-Komplettlösung aus einer Hand[5] holen sich diese Unternehmen den Investitionsaufwand aktiv “inhouse“. Hiermit verfolgen die Energieversorgungsunternehmen die Strategie des “One Face to the Customer”. Allerdings scheint es als wollen die Energieversorgungsunternehmen auch die “Kontrolle” über die intelligenten Zähler bzw. die komplementären Dienstleistungen Installation/Montage, Ablesung, Abrechnung, Wartung und eventuell noch gar nicht absehbare Dienstleistungen, die erst in Laufe der Verwirklichung einer flächendeckenden Smart Meter Infrastruktur entwickelt werden, behalten.

Die großen Energieversorgungsunternehmen müssen jedoch aktuell an mehreren Fronten kämpfen: Ihnen steht einerseits der Netzausbau aufgrund der denzentralen Energieerzeugung bevor (vgl. Koenen, Delhaes u. Sigmund [6]). Andererseits impliziert dies eine stärkere Einbindung des Verbrauchers[7] und die Steuerung der Datenflüsse durch intelligente Netze (vgl. Ackermann u. Grützmacher, S. 104[8]), was den Aufbau neuer Kompetenzen erfordert. Im Zuge dieser Herausforderungen unternehmen die Versorger, gerade vor dem Hintergrund des Atomausstiegs, zunehmend Downsizing-Anstrengungen als Reaktion auf diese Belastungen (vgl. Reischauer u. Tenbrock[9]).

Bislang bleibt unklar, nicht zuletzt auch aufgrund noch nicht validierter Geschäftsmodelle, wie mit potenziellen Umsatzeinbußen aufgrund von Energieeinsparungen, die ja letztlich das “General-Ziel” darstellen, umgegangen werden soll[10]. Unternehmensberatungen haben bereits mögliche Rationalisierungsparameter analysiert, etwa die effizientere Gestaltung der Messdaten- und Forderungsmanagementprozesse und alternative Tarifgestaltungsoptionen (vgl. PwC 2010, S. 28). Für die Energielieferanten und Netzbetreiber ist jedoch zu klären, in welchem Umfang die propagierten “signifikanten” Effizienzsteigerungen in den Prozessen erschlossen werden können, und ob diese zwangsläufig die Installation der Zähler in Regie des Energieversorgers voraussetzen.

Die Versorger zählen einige Dienstleistungen, z.B. die Abrechnung (Ablesen und Billing), zu ihren Kernkompetenzen. Allerdings bringen sich hier energiebranchenfremde Wettbewerber wie Telekommunikationsunternehmen in Stellung, die diese Leistungen anbieten wollen (vgl. Koenen 2010[11]). Auch bei der technischen Spezifikation der intelligenten Zähler (zur bidirektionalen Auslegung, Fernauslesbarkeit, Sicherheit etc.) spielen die Versorger mit Blick auf die Integration in die eigenen Prozesse eine wichtige Rolle (persönlicher Kommentar siehe Fussnote [12]).

Angesichts des Investitionsrisikos und den skizzierten Unsicherheiten und Fragezeichen muss meines Erachtens intensiver untersucht werden, welche Geschäftsmodelle es gibt, um die Investitions-[13]  und Betriebskosten (für die  Zähler und die notwendige Kommunikationsinfrastruktur vorort) nicht allein bei den Netzbetreibern zu verorten, sondern sie auf mehrere komplementäre Akteure zu verteilen. Im Gegenzug muss den Komplementoren im Sinne einer Win-Win-Situation ein “Stück des Kuchens” abgetreten werden. Diese Komplementoren erzielen kein sicheres Kontrakteinkommen, das sie in der Rolle eines Lieferanten bekommen würden, sondern ein z.B. von der Markterschließung oder vom Kundenverhalten abhängiges Residualeinkommen. Durch die Abwälzung eines Teils der Investitionskosten und Marktrisiken können die Netzbetreiber die Gesamtkosten senken, die nach ersten Kalkulationen (vgl. PwC Studie, S. 11) den Gesamtnutzen übersteigen. Eine positive Kosten-Nutzen Bilanz wird nur erreicht, wenn der Nutzen durch langfristige Effizienzverbesserungen aufgrund der Prozessverbesserungen im Betrieb sowie niedrigeren Kosten z.B. durch wegfallende Zählerablesung erschlossen, die sehr hohen Investitions- und laufenden Betriebskosten jedoch gesenkt werden.

Auf der Suche nach dem richtigen Geschäftsmodell können erste innovative Wertschöpfungskonfigurationen als Anregung dienen, z.B. gehen kleinere Akteure wie Stadtwerke bereits mit smartOPTMIMO andere Wege.

Folgende Thesen bzw. Szenarien sollten kritisch hinterfragt, überprüft und gerade von den Komplementoren und Experten auf diesem Gebiet weitergedacht werden. Sie können m.E. zumindest als Anstoß bzw. Bereicherung der aktuellen Diskussion dienen:

  • Energietechnik- bzw. Smart Meter-Anbieter/-Hersteller (oder auch Hersteller-Konsortien) tragen[14] die Investitionskosten für die Smart Meter. Hierfür müssen die Versorgungsunternehmen aber für einen bestimmten Zeitraum z.B. durch Abtreten der bisherigen Abrechnungsentgelte eine Gegenleistung bringen.
    • Smart Meter sichern dabei diesen Akteuren (insb. global Playern wie Siemens, die weitere Leistungen bis hin zu Smart Home-Komponenten anbieten)  Zugang zu zusätzlichen Dienstleistungen bzw. Smart Energy-Anwendungen (z.B. Integration der Solar-Heiz- oder Photovoltaikanlage, Steuerung intelligenter Hausgeräte und deren Vernetzung, in fernerer Zukunft Elektroautos, die zuhause “intelligent” geladen werden sollen etc.). Die Smart Meter fungieren also als Plattform für ein erweitertes Service-Spektrum, es geht nicht um das Einzel-Produkt Smart Meter, sondern um integrierte Energiemanagement-Systeme[15]. Da die Anbieter ihre “eigenen” Zähler am besten “kennen”, fällt es ihnen leichter integrierte Zusatzleistungen “anzubinden”. Kleineren Unternehmen, die komplementäre Leistungen aufgrund von Ressourcen- und Kompetenzrestriktionen nicht selbst vorhalten könnten, bieten wiederum Kooperationen mit anderen Komplementoren die  Möglichkeit, dem Endkunden ein integriertes Gesamtangebot in Rahmen der Kooperation anzubieten.
    • Für die Übernahme der Investitions- und Betriebskosten und das im vorangegangenen Punkt angeführte Angebot zusätzlicher (Dienst-)Leistungen, müssen die Smart Meter-Komplementoren ganz im Sinne der Autonomie von Komplementoren die Möglichkeit haben, einen direkten “Endkundenzugang” aufzubauen. Zum Einen liegt dies nahe, da der Komplementor die Installation und die Wartung etc. vorort übernimmt. Zum Anderen besteht hierdurch die Möglichkeit dem Kunden zu kommunizieren, dass für die Messung des Stromverbrauchs nicht der “Stromlieferant” selbst verantwortlich ist, sondern ein unabhängiger Anbieter. In letzter Konsequenz muss dann auch das Gerät z.B. als Siemens-Gerät und nicht als Gerät des Versorgers gekennzeichnet sein.
  • Smart Meter-Komplementoren tragen die Geräte- und Montagekosten, werden aber an Energieeinsparungen “beteiligt” (Vorbild: Contracting Dienstleistungen)
    • Eventuell sind die Komplementoren dann auch verstärkt daran interessiert z.B. Synergieeffekte durch gleichzeitige Montage von Strom- und Gaszählern zu erschließen (auch Synergieeffekte durch Multi Utility Communication und Multi Utility Server).
  • Anbieter von Heizungs-, Photovoltaikanlagen (oder event. auch Finanzdienstleister, welche diese Anlagen finanzieren) finanzieren die intelligenten Zähler und die Kommunikationsinfrastruktur vorort (da erst durch Konfiguration mit einem Smart Meter entsprechende Energieeinsparungen erzielt werden können).
  • Versorger leasen Smart Meter von den Herstellern, wodurch der Investitionsaufwand von der Einführungsphase in spätere Phasen verschoben wird.

Da in der Literatur und Praxis bislang insbesondere die unterstützende Rolle des Staates eingefordert wird, sollten m.E. mit Blick auf das zeitkritische Erreichen einer “kritischen Schwelle” an intelligenten Zählern (siehe Kasten “Smart Metering-Dilemma” oben) in einer ergebnisoffenen Diskussion Überlegungen wie die oben Skizzierten als Anregung gesehen werden. Festzuhalten bleibt die unzureichende Standardisierung in diesem Themenkomplex.

Ich würde mich freuen, wenn die Experten z.B. der Smart Energy Plattform (siehe folgender Verweis auf die Plattform) auf dem Gebiet der Energieeffizienz diese Ideen diskutieren und im Falle einer falschen Einschätzung gerne auch korrigieren bzw. bzgl. der “Machbarkeit” modifizieren oder relativieren. 

 

Schauen Sie in das Forum zum Beitrag!

Neben Kommentaren direkt zu diesem Beitrag, wurde ein Forum Smart Metering-Komplementoren eingerichtet, in dem die Thesen des Beitrags oder von Ihnen eingebrachte Thesen und Themen diskutiert werden können.

Hier kann bspw. die Frage nach den “geeigneten Komplementoren” oder auch die Anreizregulierung (vgl. etwa die Präsentation: Das Zähl- und Messwesen in der Anreizregulierung) diskutiert werden.

 

 

Anmerkungen    (↵ zurück zum Text)

  1. PricewaterhouseCoopers Österreich (2010), Studie zur Analyse der Kosten-Nutzen einer österreichweiten Einführung von Smart Metering, vgl. Heuell, P. (2012), Smarte Gaszähler – Nachrüsten oder Neukauf?, in: Servatius, H. -G, Schneidewind, U. und Rohlfing, D. (Hrsg., 2012), Smart Energy. Wandel zu einem nachhaltigen Energiesystem, Berlin 2012, S. 233
  2. Grandel, M. (2011), Das “Smart Metering Dilemma” – Strategische Überlegungen zum flächendeckenden Einsatz von Smart Metering, in: Servatius, H. -G, Schneidewind, U. und Rohlfing, D. (Hrsg., 2012), Smart Energy. Wandel zu einem nachhaltigen Energiesystem, Berlin 2011,  S. 221-231
  3. Im Fokus des Beitrags stehen die genannten Unternehmen wie Energie­ver­sorgungs­unternehmen (Stromproduzenten & -”lieferanten”), Tele­kom­munikations­anbieter, Smart Energy-Dienstleister, Energie- und Gebäudetechnikanbieter oder Berater die komplementäre Leistungen anbieten und hier als Komplementoren bezeichnet werden
  4. Vest, P. (2012), Intelligente Zähler, der Markt für Energieeffizienz und sein Dilemma, in: Servatius, H. -G, Schneidewind, U. und Rohlfing, D. (Hrsg., 2012), Smart Energy. Wandel zu einem nachhaltigen Energiesystem, Berlin 2012, S. 209-220
  5. z.B. (E.ON Metering: “Das Smart Metering Angebot reicht von der Beratung über die Bereitstellung und den Betrieb der Geräte bis hin zu Smart Meter Zusatzleistungen. Kurzum: E.ON Metering liefert die Systemlösung aus einer Hand”
  6. Koenen, J., Delhaes, D. und Sigmund, T. (2009), Bund setzt auf IT-Kooperationen, in: Handelsblatt, 2009, 237, S. 10
  7. der zunehmend durch die Stromlieferung z.B. aus Photovoltaikanlagen als “Prosumer” (also Produzent und Consumer zugleich) fungiert
  8. Ackermann, M. und Grützmacher, S. (2012), Der Strategische Spagat – Stadtwerke in der neuen Energiewelt, in: Servatius, H. -G, Schneidewind, U. und Rohlfing, D. (Hrsg., 2012), S. 101-112
  9. Reischauer, C. und Tenbrock, C. (2011), Rosskur im Revier. RWE und E.on suchen verzweifelt nach einem neuen Geschäftsmodell – bislang erfolglos. Auf den Seiten von Zeit online, URL: http://www.zeit.de/2011/33/Energiekonzerne, Abruf am 26.10.20112011
  10. In einer Studie von Horvath & Partners räumen 86% der Befragten Kooperationen mit Geräteherstellern, Abrechnungs- und Wohnungsverwaltungsgesellschaften eine hohe Chance ein vgl. Horvath & Partners , Smart-Metering-Studie 2010. Eine Marktanalyse für den deutschsprachigen Raum. Ergebnisbericht 
  11. Koenen, J. (2010), Neue Spannung fürs Stromnetz. Marktforscher erwarten viel von intelligenten Netzen (Smart Grids). Heute schließen sich mit T-Systems und ABB zwei Marktführer zusammen, in: Handelsblatt, o. Jg., 2010, 71, S. 32
  12.  wobei es scheint, als ob in Deutschland eher wieder der komplexeste und technologisch ausgefeilteste Weg (vgl. etwa den Draft der technischen Richtlinie BSI TR‐03109) und nicht der “einfachste” bzw. volkswirtschaftlich sinnvollste und schnellste Weg eingeschlagen wurde, was insb. mit Blick auf die Überwindung des angesprochenen “Chicken & Egg” Problems (siehe Kasten im Beitrag, also ausbleibende Netzwerkeffekte mit positiver Rückkopplung) heikel ist. Die “Technikverliebtheit” hat mich zuerst stark an die Einführung des Mautsystems erinnert …
  13.  insb. Installationskosten, die immerhin bei ca. 30% der Gesamtkosten laut der PwC Studie in Österreich liegen, wobei hier von den gesetzlich vorgeschriebenen Zählern ausgegangen wird
  14. vllt. in der Rolle des sog. Messstellenbetreibers. (Gemäß § 21b Abs. 2 EnWG kann der Einbau, der Betrieb und die Wartung von Messeinrichtungen und/oder die Messung durch einen vom Netzbetreiber unabhängigen Dritten vorgenommen werden. Der Messstellenbetreiber bzw. der Messdienstleister und der Netzbetreiber sind jedoch gesetzlich verpflichtet, zur Ausgestaltung ihrer rechtlichen Beziehung einen Vertrag  (Messstellen- bzw. Messrahmenvertrag) zu schließen. vgl. etwa http://www.uez.de/Messstellenbetreiber.html
  15. vgl. Vest, P. (2012), Intelligente Zähler, der Markt für Energieeffizienz und sein Dilemma, in: Servatius, H. -G, Schneidewind, U. und Rohlfing, D. (Hrsg., 2012), Smart Energy. Wandel zu einem nachhaltigen Energiesystem, Berlin 2012, S. 218 ff.

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3 Kommentare

  1. Zum SM-Dilemma:

    BA Beschaffung aktuell, Heft 9, 2012, S. 47

    Smart Grid Schlechte Aussichten für intelligente Stromzähler

    Intelligente Stromzähler gelten als perfekte Ergänzung zu erneuerbare Energien. Dank ihnen sollen Kunden Elektrizität vor allem bei viel Wind oder Sonne verbrauchen. Doch bislang hat die Technik am Markt kaum Chancen, wie Spiegel Online berichtet.

    Laut einer Umfrage, die dem Magazin vorliegt, würde kaum jemand für sie zahlen. Das Konzept vom intelligenten Stromnetz sei zwar bekannt, habe aber dennoch am Markt wenig Chancen. Das ergibt eine Umfrage unter rund 8000 Stromkunden, die das Verbraucherportal Check24 und die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführt haben. Das sogenante Smart Grid gilt als wichtiger Baustein der Energiewende. dabei sollen intelligente Stromzähler den Verbrauch von Haushalten im Minutentakt messen und mit der aktuellen Lage der Stromversorgung abgleichen. Verbraucher sollen so Geld sparen. Ist das Stromangebot gerade reichlich, weil viele Wind- und Solaranlagen arbeiten, sollen die Preise sinken. Der intelligente Zähler soll dies registrieren und im Idealfall automatisch dafür sorgen, dass im Haushalt in solch günstigen Momenten besonders viel Strom verbraucht wird. Er könnte zum Beispiel Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine anschalten oder in einer späteren Zukunft das Elektroauto laden. Viele Befragten zeigen laut der Umfrage Interesse an der Technologie. Mehr als 70 Prozent wünschen sich eine transparente Aufschlüsselung ihres Energieverbrauchs. Rund 68 Prozent wünschen sich eine monatsgenaue Abrechnung ihres Stromverbrauchs, wodurch sich lästige Nachzahlungen am Jahresende vermeiden ließen. Und knapp 50 Prozent würden bestimmte Haushaltsgeräte so programmieren, dass sie automatisch Strom verbrauchen, wenn dieser besonders günstig ist. Doch nur acht Prozent der Befragten wären bereit, für solche Vorzüge Geld zu zahlen. Und die Kosten sind zunächst einmal hoch. Um von flexiblen Tarifen zu profitieren, bräuchte ein Haushalt mindestens einen intelligenten Stromzähler, der Verbrauch und Strompreis miteinander abgleicht. Dazu müssten Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Trockner mit einem Adapter aufgerüstet werden“ einem Adapter aufgerüstet werden, damit sie mit dem Zähler kommunizieren können. Im Idealfall verfügt der Haushalt der Zukunft zudem über ein System, das Haushaltsgeräte automatisch so steuert“ , dass sie möglichst kostengünstig arbeiten.Für die Zurückhaltung der Verbraucher gibt es gute Gründe. So ist noch immer nicht klar, wie groß die Kostenersparnis durch die Technologie tatsächlich wäre. 42 Prozent der Befragten gaben zudem an, Datenschutz-Bedenken zu haben. Ein weiteres Problem ist, dass sich der Einsatz intelligenter Stromzähler vor allem bei flexiblen Stromtarifen lohnen würde; sprich: wenn die Preise aufgrund von Angebot und Nachfrage deutlich schwanken. Derzeit sind die Stromtarife aber noch sehr unflexibel. Die meisten Versorger bieten gerade mal einen Tages- und Nachttarif an. Ohne stärkere Anreize werde der Aufbau eines Smart Grids kaum funktionieren.
  2. Sehr interessanter Artikel über eine bisher vernachlässigte Herausforderung der Energiewende.
    Sicherlich wäre ein von Ihnen erwähntes „stufenweise Vorgehen“ absolut sinnvoll für alle Beteiligten: Mit der Optimierung des CRM sollte zunächst realer Bedarf und Bedürfnisse ermittelt werden, dann sollte mithilfe der Aktivierung kollektiven Wissens das Angebot optimiert werden und schließlich sollte die Implementierung in Kooperation mit den Stakeholdern gestaltet werden.
    Mich würde darüber hinaus interessieren, was sich in diesem Bereich seit der Veröffentlichung Ihres Artikels getan hat und wie Sie die Entwicklung dessen bewerten?

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  1. Mit Complementor Relationship Management (CoRM) zu neuen Energie- und Mobilitätssystemen | Smart Trends

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